Close up Stars in Concert

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Close up Stars in Concert - Suzie Kennedy

Close up Stars in Concert - Suzie Kennedy

Berlin, 18.12.2019

Wenn Suzie Kennedy den Raum betritt, glaubt man, auf einer Zeitreise zu sein. Mit ihren wasserstoffblonden Haaren, den leuchtend roten Lippen und dem hellen Porzellan-Teint sieht Suzie aus wie Marilyn Monroe. Mehr noch, sie singt, spricht und bewegt sich wie die einstige glamouröse Hollywood-Ikone. Attribute, die ihr nicht nur in der international erfolgreichen Doppelgänger-Show „Stars in Concert“ zugutekommen, in der sie seit acht Jahren als Marilyn Monroe auftritt.
„Schauspielerei war nie mein Traumberuf“, erzählt Suzie, die eigentlich Tierärztin werden wollte. Für ein Studium fehlte der Familie jedoch das Geld. Geboren wird die Tochter einer Lehrerin und eines Bauzeichners in Grants Pass, einer Provinzstadt im US-Staat Oregon, nahe der kalifornischen Grenze. Als Suzie zwei Jahre alt ist, trennen sich die Eltern. Suzie wächst zusammen mit der älteren Schwester in London auf. Der Vater stirbt, da ist sie ein Teenager. Ihr Talent für Gesang und Tanz wird eher zufällig entdeckt: Mit 15 bewirbt sie sich für ein Praktikum an einer Tanzschule, wo sie Botengänge erledigt. Dafür darf sie jeden Tag an einer Ballettstunde teilnehmen. Zurück auf dem College macht sie den A-Level Abschluss. Und wird angesprochen: Wie ähnlich sie Marilyn Monroe sähe. Über einen Agenten landet sie prompt bei ihrem ersten Casting und bekommt den Job. Zusammen mit Supermodel Naomi Campbell dreht sie einen Werbespot für Nestlé – der Durchbruch. Von da an folgt ein Auftrag nach dem anderen: Shootings für Citroën und Pepsi, internationale Theater-, TV- und Filmproduktionen wie „Who killed Marilyn?“, „Me and Marilyn“ oder „Blade Runner“ neben Stars wie Ryan Gosling und Harrison Ford.
2016 führt sie für das Auktionshaus Julien‘s die Kleider der Monroe vor, bevor diese versteigert werden. Ein Zu-fall, dass sie dieselbe Größe trägt, wie einst Marilyn, die stets als kurvenreiches Vollweib galt. „Tatsächlich war Marilyn sehr zart, fast zerbrechlich“, betont Suzie, die ihre Ernährung vor Jahren komplett umstellte. Heute lebt sie vegetarisch und hält ihre Figur durch Disziplin, tägliches Laufen und Workout mit Gewichten. Suzies Geheimnis für ihre makellose Alabaster-Haut klingt hingegen einfach: Nicht rauchen und konsequente Anwendung von Lichtschutzfaktor 50. In Suzies Schrank hängen vierzig Repliken der ikonischen Kleider und Filmoutfits der Hollywood-Legende. Darunter das berühmte „Happy Birthday, Mister President“-Kleid, dessen seidig-transparentes, mit 2.500 Kristallen besticktes Original vor drei Jahren für 4,8 Millionen Dollar von einem amerikanischen Kuriositätenmuseum ersteigert wurde. Suzie, deren echter Nachname tatsächlich Kennedy ist, wird häufig für diesen Geburtstagssong gebucht, den sie schon für US-Serienstar Eva Longoria oder den britischen Unternehmer Sir Richard Branson ins Mikrofon hauchte – wie einst Marilyn für US-Präsident John F. Kennedy. In Las Vegas wird Suzie 2017 nominiert als weltweit beste Marilyn Monroe-Darstellerin und gewinnt in der Kategorie „bestes weibliches Double“. Seitdem sie den Hollywood-Star verkörpert, hat sie jede Biographie gelesen, jeden Film gesehen und Marilyns DNA inhaliert. „Marilyn ist meine Seelenverwandte, ich bin wie sie, verletzlich, eher schüchtern, aber absolut zielorientiert“, sagt sie, die wie ihr Idol auf eine harte Kindheit ohne Vaterfigur zurückblickt. „Ich bewundere Marilyn für den unbedingten Willen, der sie dazu brachte, die berühmteste Frau ihrer Zeit zu sein.“ Aus Dankbarkeit lässt sich Suzie vor sechs Jahren ihr erstes Tattoo stechen: „Marilyn hat mein Leben verändert. Alles was ich tue, mache ich, weil sie es so lebte.“ Seither trägt sie Marilyns Konterfei an ihrem rechten Handgelenk. „In dem Moment, als es gestochen wurde, spürte ich, wie sie mir unter die Haut gegangen ist.“ Natürlich gibt es auch Unterschiede, räumt Suzie ein und zwinkert mit ihren grünen Augen. Die der Monroe waren Blau. Suzie ist sich sicher, dass sich „MM“ mit falschen Freunden und Ratgebern umgeben hat. „Ich dagegen bin ein glücklicher Mensch, habe wunderbare Freunde und glücklicherweise auch wieder eine gute Beziehung zu meiner Mutter“, sagt Suzie nachdenklich. „Das wichtigste aber ist mir der Glaube an Gott.“ Selbst in Berlin besucht Suzie, die täglich betet, die sonntäglichen Gottesdienste der American Church.
Zuhause in London warten ein Mops und zwei Katzen auf Suzie, die Berlin als zweite Heimat betrachtet. Hier liebt sie das kosmopolitische und vergleichsweise preiswerte Leben. Vor allem den „Thaipark“, wo Hobby-köche unter bunten Sonnenschirmen asiatische Köstlichkeiten für ein paar Euro anbieten. Und ist sie dort auch als Marilyn unterwegs? „Dieser Look lässt sich nicht einfach abstreifen“, erklärt Suzie. Sie wird immer als die Monroe erkannt, selbst im Supermarkt oder im Restaurant. „Da hilft es, ich bekomme immer einen Tisch“, lacht Suzie, der es häufiger passiert, dass man sie aufgrund ihrer sexy Erscheinung zunächst für das „blonde Dummchen“ hält. Ein Klischee, mit dem die Monroe zeitlebens zu kämpfen hatte. Fällt es ihr schwer, ständig jemand anders zu sein? „Vermutlich wären viele glücklicher, wenn sie auf diese Weise ab und zu vor sich selber flüchten könnten“, antwortet Suzie und lächelt. Seit mehr als zwei Jahrzehnten verkörpert sie Marilyn. Damit ist sie nicht nur länger im Geschäft als es die echte Marilyn je war. Obwohl sie deutlich jünger aussieht, ist die 42-Jährige mittlerweile älter als ihr Idol, das mit 36 Jahren unter mysteriösen Umständen verstarb. Suzie ist sich darüber im Klaren, dass die Nachfrage irgendwann ausbleiben wird und sie nicht mehr als die große Hollywood-Diva auftritt. Marilyn Monroe ist die Rolle ihres Lebens, sie kann sich nicht vorstellen, jemals eine andere Rolle anzunehmen: „Marilyn zu sein ist kein Job, es ist eine Ehre.“

Das Interview führte Birgit von Heintze, Autorin und Lifestyle-Journalistin
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